Alle Infos rund um die Vorabenddemo.

Mobijingle:
actiondayswpt:jingle
*musik: Antiainment

Die Plakate und Flyer sind zum leider nicht mehr da.

Naziaufmarsch? Zum Desaster machen!
Für einen Konsequenten Antifaschismus!

Zum 29.01.11 mobilisieren Wuppertaler Nazis in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer NPD zu einem Aufmarsch gegen linke Gewalt, Antifaschismus und das Autonome Zentrum als Keimzelle des Terrors. Als wäre der erste Naziaufmarsch in Wuppertal-Elberfeld seit 42 Jahren genau zwischen dem 27.Januar (Tag der Befreiung von Auschwitz und Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus) und dem 30.Januar (Tag der Machtübernahme der Nazis am 30.1.33) nicht Provokation genug, ist Thema der Demonstration ausgerechnet antifaschistischer Widerstand. Unter anderem beschweren sich die Nazis darüber, dass sie wegen der Antifa in Wuppertal nicht einmal „legales Infomaterial“ verteilen könnten.
Die Nazis beziehen sich dabei offensichtlich auf ihre Versuche in der Wuppertaler Innenstadt Propaganda zu verteilen. Wir bedanken uns herzlich dafür, dass die Nazis es übernehmen überall mitzuteilen, dass dies nicht möglich ist ohne auf Gegenwehr zu stoßen. Sie scheinen dabei bezüglich der Darstellung des „Antifa-Mobs“ jedoch etwas übereifrig zu sein. Bei Versuchen der Nazis in der Innenstadt Mobilisierungsflyer für Naziaufmärsche zu verteilen, wurden sie jedes mal von einer handvoll Menschen daran gehindert, obwohl die Nazis mehr als 15 Personen waren und mindestens einmal bewaffnet. Um sich vor den eigenen Kameraden nicht völlig zu blamieren, wurde daraus in den „Aktionsberichten“ immer ein zahlenmäßig weit überlegender, gewalttätiger Mob.

Gegen Nazis oder nationale Sozialisten – wie sie sich moderner nennen – muss aus einer emanzipatorische Perspektive nicht einfach wegen ihrer Identität, sondern wegen ihrer Inhalte vorgegangen werden. Ein Teil ihrer Ideologie wird anhand der Demonstrationen, für die per Flyer mobilisiert werden sollte, deutlich.

„Oma, Opa und Hans-Peter…“

Im November verteilten sie Flyer für einen Trauermarsch in Remagen. Seit 2005 finden dort jährlich Nazi-Aufmärsche in Erinnerung an die sog. „Rheinwiesenlager“ statt. Bei diesen Trauermärschen werden die deutschen Soldaten, die gegen Ende des 2. Weltkrieges in alliierten Gefangenenlagern ums Leben kamen, als Märtyrer verherrlicht.
Völlig kontextlos werden Angehörige von Wehrmacht und SS als hilflose Opfer dargestellt, die verhungern mussten, obwohl angeblich mitten im zerstörten Europa genug Nahrungsmittel zur Verfügung standen, und nur aufgrund der Böswilligkeit der Alliierten leiden mussten. Kein Wort darüber, dass es sich bei den Gefangenen um Menschen handelte, die aktiv an der Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden mitgewirkt hatten, die einen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion geführt hatten, etc. Kein Wort darüber, dass die Deutschen vom Soldaten bis zum 14jährigen Flakhelfer in ihrem Glauben an die Überlegenheit des „deutschen Volkes“ und die NS-Ideologie fanatisch weiterkämpften als der Krieg bereits offensichtlich verloren war. Dies führte dazu, dass die alliierten Soldat*innen bis zum Tag der Kapitulation um fast jede einzelne Straße kämpfen mussten und damit wahrscheinlich Besseres zu tun hatten als sich um die Versorgung von Kriegsgefangenen zu kümmern. Nachdem die Deutschen mehrere Millionen Menschen in KZs ermordeten, Millionen Zwangsarbeiter*innen zur Sklavenarbeit nach Deutschland verschleppten und in Osteuropa einen Vernichtungskrieg mit über 17 Millionen zivilen Toten führten, wird die angeblich fehlenden Einhaltung der Genfer Konventionen durch die Alliierten angeprangert. Dadurch versuchen die Nazis weiterhin den Mythos vom ehrenwerten Wehrmachtssoldaten aufrechtzuerhalten, der nach einem fairen Kampf eine ebenso faire Behandlung verdient hat.

Entgegen des allgemeinen Gejammers über die angebliche Allgegenwärtigkeit von Auschwitz in der deutschen Öffentlichkeit findet diese Ausblendung der Opfer des Nationalsozialismus bei gleichzeitiger Überbetonung der Leiden „arischer“ Deutscher seit ein paar Jahren auch in der allgemeinen Öffentlichkeit statt. Im Fernsehen kann in regelmäßigen Abständen die Angst von Hitlers Sekretärin vor russischen Soldaten, die entbehrungsreiche Flucht aus dem Osten inklusive Beschuss durch die bösen Russen und andere „deutsche Schicksale“ ausführlich betrachtet und bedauert werden. In Dresden gedenken alljährlich nicht nur tausende Nazis aus ganz Europa der „arischen“ Opfer eines angeblichen alliierten Kriegsverbrechens, sondern auch tausende Bürger*innen, inklusive Politiker*innen. Für die Opfer der Nationalsozialist*innen bleibt da allenfalls eine Aufzählung um des guten Gewissens und der Vollständigkeit Willen, wenn bei Gedenktagen allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht wird, womit die Toten der Shoa eins gesetzt werden mit ihren Mörder*innen, die bei der Befreiung der KZs durch die Alliierten starben. Das eher als Pflichtprogramm abzuhakende Gedenken an die Opfer des eliminatorischen Antisemitismus, z.B. wenn am 9.November neben dem Feiern der Maueröffnung unter ferner liefen noch Gedenkveranstaltungen zur Reichspogromnacht stattfinden, wird dann als vorbildliche Aufarbeitung der Vergangenheit dargestellt.

„…keine Opfer, sondern Täter!“

Dennoch besteht ein elementarer Unterschied zwischen dem bürgerlichen Diskurs und dem der Nazis. Im deutschen Mainstream wird versucht einen Schlussstrich unter den NS zuziehen und sich und seine Familie und seine Nation jeder Verantwortung zu entziehen. Während bei den Nazis, und gerade in dem zum aktuellen Aufmarsch mobilisierenden Spektrum, ein positiver Bezug zum NS besteht und statt Verdrängung Verherrlichung auf der Agenda steht. Daher ist es relevant und gut, dass trotz inhaltlicher Anschlussfähigkeit die Nazis im Abseits stehen und keinerlei Mobilisierungsfähigkeit ins bürgerliche Lager haben. Und daher ist es aus antifaschistischer Sicht sinnvoll gegen Nazis anders vorzugehen als gegen das deutschnationale Bürgertum. Jedoch müssen die inhaltlichen Überschneidungen thematisiert werden, denn die größte Gefahr durch die Nazis ist weniger deren direkte Macht, sondern die Verbreitung ihrer Inhalte. Daher müssen Nazis nicht nur auf der Straße, sondern vor allem ihre Positionen in der Schule, auf der Arbeit und der Familienfeier bekämpft werden. Auf allen Ebenen mit (fast) allen Mitteln.

Ein weiterer Aufmarsch für den versucht wurde per Flyerverteilung in Wuppertal zu werben war die Demo in Velbert mit dem Titel „Multikultur ist sozialer Krieg“. Bei diesem Thema besteht eine ähnliche Nähe zu einem bürgerlichen Diskurs.
In ihrem Demo-Aufruf zum Thema „Gegen Gewalt und Überfremdung“ unterteilten die Nazis alle Menschen und vor allem Jugendliche in Ausländer*innen und Deutsche. Dabei kommt es ihnen nicht darauf an, welche Staatsbürgerschaft eine Person hat und wo diese Person geboren ist. Ohne es explizit benennen zu müssen, beziehen sie sich dabei auf einen Rassismus, der Menschen in Gruppen sortiert und bei dem „deutsch“ keine Frage des Passes oder des Aufwachsens in Deutschland ist, sondern eine Eigenschaft, die genetisch vererbt wird. Das sie nicht explizit aussprechen müssen, wenn sie z.B. mit „deutschen Jugendlichen“ meinen, liegt daran, dass die Nazis mit ihrem Rassismus problemlos an den rassistischen Diskurs der Gesamtgesellschaft anknüpfen können, der sich in diesem Herbst mit den hohen Zustimmungen für die Thesen von Thilo Sarrazin besonders deutlich zeigte. Auch die Aussage, dass Gewalt und Kriminalität in deutschen Kleinstädten nur über die Anwesenheit von „Ausländern“ zu erklären sind und „deutsche Jugendliche“ deren Opfer werden, ist keine exklusive These von Nazis wie Axel Reitz und Co, sondern wird auch von der aktuellen Bundesfamilienministerin Schröder mit ihren Aussagen zur angeblichen „Deutschenfeindlichkeit“ verbreitet.
Dass die rassistische Ideologie der Nazis in leicht abgeschwächter Form überall zu finden ist, ist jedoch kein Grund weniger gegen sie vorzugehen – im Gegenteil. Denn gerade wegen ihrer inhaltlichen Anschlussfähigkeit muss es Teil eines antirassistischen Kampfes sein, zu verhindern, dass diese Ideologie einen öffentlichen Raum bekommt und noch präsenter werden kann.

„Keine Gewalt ist auch keine Lösung“

Die Medien und die Polizei schreiben meist – wenn sie es nicht gänzlich verschweigen – über eine Auseinandersetzung zwischen Rechts und Links und versuchen damit zu suggerieren, es handele sich um einen internen Konflikt zwischen zwei Gruppen, der den Rest der Gesellschaft nicht betrifft; ähnlich einem Konflikt zwischen Jugendgangs. Die Nazis schreiben in ihrem Aufruf der einzige Zweck der Antifa sei der Kampf gegen politisch Andersdenkende. In Antifatexten wird häufig auf die von Nazis ausgehende Gewalt hingewiesen. Um was geht es denn nun beim Thema Antifa, Nazis und Gewalt?
Antifaschist*innen bekämpfen Nazis nicht, weil sie politisch andersdenkend sind, sondern weil sie eine Bedrohung für viele verschiedene Menschen und nicht nur für Linke oder vermeintliche Linke darstellen. Wenn Nazis (auch mit gewalttätigen Mitteln) am Verbreiten ihrer Propaganda gehindert werden, ist dies Teil eines notwendigen Kampfes gegen eine Bedrohung durch Nazis gegenüber allen, die nicht in ihr Weltbild passen. Antifaschismus wird – wie der Name schon sagt – immer ein Abwehrkampf gegen den Faschismus, also das Zurückfallen hinter Standards des bürgerlichen Staates sein; auch wenn wir eigentlich viel mehr wollen – aber das ist eine andere Baustelle. Es handelt sich um den Kampf gegen eine Ideologie, die darauf beruht Menschen einen unterschiedlichen Wert beizumessen und die darauf beruht, dass das Individuum alleine keine Existenzberechtigung hat, sondern nur als Teil eines Kollektivs (wie Volk, Nation etc.) und im Sinne dieses Kollektivs. Gegen eine solche menschenverachtende Ideologie vorzugehen, ist immer eine Verteidigung, egal ob nur reagiert oder auch offensiv agiert wird.
Menschen, die rassistisch stigmatisiert werden und andere sog. Minderheiten sind nicht nur durch die direkte Gewalt der Nazischläger*innen bedroht, sondern auch und vielleicht sogar mehr durch die Verbreitung ihrer Propaganda. Daher muss eine Stimmungsmache gegen „kriminelle Ausländer“ genauso konsequent verhindert werden wie ein direkter Übergriff. Das bedeutet für alle Menschen, die nicht tatenlos zu sehen möchten, wenn an der S-Bahn-Haltestelle ein Mensch aufgrund seines Aussehens von Nazis bedroht oder zusammengeschlagen wird, müsste es genauso klar sein, dass Nazis am demonstrieren, plakatieren, flyern und auch an Sprüchen auf dem Schulhof und im Betrieb gehindert werden müssen.

Wenn Nazis gegen Gewalt demonstrieren, demonstrieren sie dafür ihre Gewalt ungestört ausüben zu können. Wenn Nazis für Meinungsfreiheit demonstrieren, demonstrieren sie für die Möglichkeit rassistische und antisemitische Propaganda zu betreiben.

Konsequenter Antifaschismus ist Selbstschutz, aber vor allem
Solidarität mit allen, die aufgrund von Kategorisierungen von Nazis
bedroht und angegriffen werden.

Kommt zu den Antifa-Actiondays in Wuppertal vom 27.01. – 29.01. und verhindert den Naziaufmarsch!